Rote Krawatte ist sein Markenzeichen: Kandidatenporträt zur Landtagswahl: Ernst-Wilhelm („Ewi“) Rahe

Rot in allen Schattierungen- die Krawatte füllt inzwischen einen Schrank in EWI's Ankleidezimmer
Rot in allen Schattierungen- die Krawatte füllt inzwischen einen Schrank in EWI's Ankleidezimmer Bild: Karsten Schulz

Hüllhorst-Tengern. Den Eingang zum Rahe?schen Anwesen in der Ortsmitte Tengerns muss man sich schon ein wenig erkämpfen. Vorne zur Straße ist zwar eine Tür, aber die ist nicht als Eingangstür gedacht. Da muss man schon ganz herum, durch einen kleinen Vorgarten mit viel Grün und dann ist man am Ziel. Gleich ist man mittendrin. Zuhause sein – das ist Ernst-Wilhelm Rahe, Landtagsabgeordneter der SPD und neuerlicher Kandidat sehr gerne, aber leider nicht sehr oft. Auf dem großen Tisch im Foyer des Hauses sind große Platten mit belegten Brötchen. „Ewi“, wie er von vielen auch genannt wird, greift beherzt zu und fordert mich auch auf, zuzulangen.

„Ewi“ will „immer bei den Menschen sein“, vor allem im Wahlkreis. Da sein, wo die Menschen feiern, leben, sich treffen und selbst Zuhause sind, das möchte der Sozialdemokrat, der vom SPD- „Urgestein“ Karl-Heinz Haseloh zur großen Politik gebracht wurde. So ist er jetzt im Wahlkampf häufig auf lokalen Veranstaltungen von Vereinen und Organisationen zu finden oder er führt Haustürgespräche. 5.000 Menschen hat er 2012 zur Landtagswahl auf diese Weise besuchen können. Es gibt inzwischen in den „Sozialen Medien“ eine Unterstützer-Aktion für „Ewi“. „Da machen auch Leute mit, die nicht SPD-Mitglied sind“, stellte er jetzt fest. Entsprechende Buttons machen im Wahlkreis die Runde. „Das war eine Idee des Ortsvereins Gehlenbeck, da hat jemand eine Skizze aufgemalt und die kann man jetzt im Internet runterladen“, freut sich der Genosse, der mit beiden Beinen – trotz vieler Termine, Sitzungen und Gespräche in Düsseldorf – immer noch geerdet ist.

Jugend, Familie und Kinder sowie die Selbstbestimmung und Teilhabe von behinderten Menschen sind die Schwerpunktthemen Rahes, der als Fachreferent für Behindertenhilfe beim Paritätischen Wohlfahrtsverband arbeitete. Drei Punkte seien ihm wichtig, sagt der 59-Jährige: „Erstens in Düsseldorf Interessen vertreten – auch die des ländlichen Raums; zweitens Netze knüpfen: es gibt so viele Institutionen, Vereine und Verbände, die sich für unsere Region einsetzen, da lässt sich manches Problem lösen; drittens die Welt verändern.“

Rahe hat das Hüllhorster Bündnis für Familie mitbegründet und ist Mitglied des SPD-Landesvorstandes. Wichtig sei ihm „ein vorsorgender Sozialstaat: Schäden zu reparieren ist viel teurer als möglichst früh dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche auf den richtigen Weg gebracht werden.“

Erkennbarkeit ist ein weiteres Markenzeichen des heimischen Sozialdemokraten – sowohl von außen wie auch von den Inhalten. So ist die rote Krawatte inzwischen mit „Ewi“ genauso eng verbunden, wie die Freundschaft mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Achim Post. Einen ganzen Schrank voll mit den männlichen Accessoires in unterschiedlichen Rottönen gibt es inzwischen im heimischen Schlafzimmer. Nach der Wahl 2012 habe ihn eine ältere Dame angesprochen, dass man ihn in der Zeitung immer an der roten Krawatte erkennen würde. Seither ist „Ewi“ ohne sie nicht mehr denkbar.

Lieblingsplatz Terrasse: "Ewi" zieht sich gerne hier mit einer Tasse Kaffee und der Tageszeitung zurück
Lieblingsplatz Terrasse: „Ewi“ zieht sich gerne hier mit einer Tasse Kaffee und der Tageszeitung zurück Bild: Karsten Schulz

Ernst-Wilhelm Rahe gehört nicht zu denjenigen, die gerne im Vordergrund stehen. „Bei der Politik, wie ich sie verstehe, muss auch Vieles im Hintergrund ablaufen, um nicht viele Ideen durch eine zu frühe Veröffentlichung wieder kaputt zu machen“, sagt er mit Überzeugung. Er wolle deshalb „weniger Reden schwingen, diskutieren und am Tisch sitzen und quatschen sondern lieber handeln, Netzwerke aufbauen und für die Menschen im Wahlkreis in Düsseldorf etwas erreichen“. Das gelte auch umgekehrt. Seine inzwischen in Düsseldorf erworbenen Kontakte und die Erfahrungen wolle er „sinnvoll für die Menschen im Mühlenkreis und vor allem in seinem Wahlkreis nutzen“.

Konkrete Politik bedeutet für ihn, sich aktuell einzusetzen für bessere Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten. Gleichzeitig sollen die Familien durch bessere Ausstattung der Familienzentren und flexiblere Öffnungszeiten entlastet werden.. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist ihm die Medienpolitik. Er setzt sich für Meinungsvielfalt ein, will aber gleichzeitig mehr „Regulierungen im Netz“. Er wendet sich gegen „Hate Speech“ und auch gegen gezielte Mobbing-Attacken aus den „Sozialen Medien“ heraus. „Dazu gehört auch das Politiker-Bashing“. Rahe: „Politik braucht seine Zeit. Um wichtige Gesetze und Veränderungen auf den Weg zu bringen, müssen die Interessen abgewogen werden. Das Gemeinwohl steht immer ganz vorne, danach müssen wir gewichten.“

Wichtig sind ihm die Wirtschaftsgespräche, die er seit vielen Jahren meistens gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Achim Post führt. Solange die Abgeordneten unabhängig sind ist das in Ordnung. Darauf müsse jedoch geachtet werden, stellt er fest. „Politik macht mir immer noch Spaß, vor allem wenn man etwas bewirken kann. Ich versuche Lösungen im Wahlkreis zu finden. Manchmal dauert es allerdings zu lange, dann werde ich ungeduldig“, sagt Rahe.